AGB & Verträge 16.09.2026 von Dr. Ronald Kandelhard, Rechtsanwalt, Gründer easyRechtssicher.de und evolutionki.de

Widerrufsbutton in WooCommerce: So baust Du ihn richtig ein

Seit dem 19. Juni 2026 brauchst Du in Deinem WooCommerce-Shop einen Widerrufsbutton. Die gute Nachricht: Für WooCommerce musst Du nichts programmieren. Die gängigen Rechtstexte-Plugins bringen die Funktion inzwischen mit. Die schlechte: Ein installiertes Plugin ist noch kein rechtssicherer Widerrufsbutton.

Ich zeige Dir hier, was das Gesetz verlangt, welche Wege es in WooCommerce gibt und wie Du Deinen Einbau prüfst.

Kurz gesagt:

  • Brauche ich den Button? Ja, wenn Verbraucher in Deinem Shop Verträge schließen und ein Widerrufsrecht haben.
  • Wie komme ich am schnellsten hin? Über die Widerrufsfunktion Deines Rechtstexte-Plugins oder ein eigenständiges Widerrufs-Plugin. Danach testest Du den kompletten Ablauf einmal selbst.

I. Was ist der Widerrufsbutton genau?

Der Widerrufsbutton ist eine Schaltfläche in Deinem Shop, über die Kunden ihren Widerruf online erklären können. Er führt zu einem kurzen Formular, am Ende steht eine Eingangsbestätigung.

Die Pflicht steht in § 356a BGB. Das Gesetz nennt ihn „elektronische Widerrufsfunktion“. Im Alltag heißt er Widerrufsbutton.

Achtung: Nicht verwechseln mit dem Kündigungsbutton nach § 312k BGB. Der gilt nur für Abos und andere Dauerschuldverhältnisse. Verkaufst Du in WooCommerce auch Abos, brauchst Du unter Umständen beide.

II. Was verlangt § 356a BGB von Deinem WooCommerce-Shop?

Das Gesetz beschreibt den Ablauf genau. Diese Punkte muss Dein Shop erfüllen:

  • Beschriftung: Der Button muss gut lesbar mit „Vertrag widerrufen“ oder einer gleichbedeutenden eindeutigen Formulierung beschriftet sein.
  • Verfügbarkeit: Er muss während der Widerrufsfrist ständig verfügbar, hervorgehoben platziert und leicht zugänglich sein.
  • Angaben im Formular: Der Kunde muss seinen Namen, Angaben zur Identifizierung des Vertrags oder des Teils, den er widerrufen will (zum Beispiel die Bestellnummer und die betroffenen Artikel) und den Kanal für die Eingangsbestätigung (zum Beispiel die E-Mail-Adresse) angeben oder bestätigen können.
  • Bestätigung: Danach braucht es eine zweite Schaltfläche, beschriftet mit „Widerruf bestätigen“ oder einer gleichbedeutenden eindeutigen Formulierung.
  • Eingangsbestätigung: Du musst dem Kunden unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger bestätigen, was er widerrufen hat, und dabei Datum und Uhrzeit des Eingangs nennen. In der Praxis ist das eine E-Mail.
  • Fristwahrung: Schickt der Kunde den Widerruf vor Fristende über den Button ab, gilt er als rechtzeitig zugegangen.

Heißt praktisch für Dich: Ein Link auf eine Kontaktseite oder ein PDF-Formular reicht nicht mehr. Der Ablauf muss zweistufig sein, und die Eingangsbestätigung muss unverzüglich kommen. Praktisch heißt das: automatisch.

Wichtig: Einen Grund für den Widerruf muss der Kunde nicht angeben (§ 355 BGB). Ein Feld „Warum widerrufst Du?“ darf es geben, aber nur freiwillig.

Wie die Pflicht entstanden ist und was sie für die Widerrufsbelehrung bedeutet, erklären wir im Grundlagenbeitrag dazu, was § 356a BGB verlangt.

III. Welche Wege gibt es in WooCommerce?

WooCommerce selbst bringt keinen Widerrufsbutton mit. Du brauchst also eine Erweiterung. Stand September 2026 gibt es drei gängige Wege.

A. Du nutzt schon Germanized

Germanized von vendidero enthält die Widerrufsfunktion seit Version 4.0 direkt, auch in der kostenlosen Version aus dem WordPress-Verzeichnis. Ein zusätzliches Plugin brauchst Du dann nicht.

  • Einstellungen: Laut Hersteller liegen sie unter WooCommerce → Einstellungen → Germanized → Allgemein, dort im Bereich für den Widerrufsbutton.
  • Platzierung: Es gibt eine Option, den Button automatisch in den Footer einzubinden. Passt die Darstellung nicht zu Deinem Theme, schaltest Du die Option ab und setzt den Button selbst.
  • Formular: Germanized liefert dafür den Shortcode [order_withdrawal_request_form], den Du auf einer eigenen Seite einfügen kannst.

Achtung: Die Einstellungen können sich mit Updates ändern. So gibt es inzwischen eine eigene Einstellung zur Prüfung von Gastbestellungen. Prüfe nach jedem größeren Update, ob Dein Ablauf noch so funktioniert wie beim Einrichten.

B. Du nutzt German Market

German Market von MarketPress hat einen integrierten Widerrufsbutton samt Widerrufsverwaltung. Du richtest ihn in den German-Market-Einstellungen ein und brauchst ebenfalls kein Zusatz-Plugin.

C. Du nutzt keines von beiden

Dann gibt es eigenständige Plugins nur für den Widerruf. Das verbreitetste ist „EU Order Withdrawal Button for WooCommerce“, ebenfalls von vendidero. Daneben gibt es kleinere Anbieter im WordPress-Verzeichnis.

Bevor Du installierst, prüfe drei Dinge:

  • Pflege: Wann kam das letzte Update, und ist das Plugin mit Deiner WooCommerce-Version getestet?
  • Ablauf: Bildet das Plugin beide Schaltflächen und die automatische Eingangsbestätigung ab?
  • Verträglichkeit: Nutzt Du bereits ein Rechtstexte-Plugin, dann baue die Funktion nicht doppelt ein. Zwei Widerrufsformulare verwirren Kunden und Dich.

D. Und der Eigenbau?

Ein Kontaktformular mit Pflichtfeldern sieht auf den ersten Blick ähnlich aus. Meist fehlen aber die Bestätigungsstufe, die automatische Eingangsbestätigung mit Datum und Uhrzeit und der Bezug zur Bestellung.

Bequem ist nicht automatisch rechtssicher. Nimm lieber eine gepflegte Erweiterung.

IV. So baust Du den Widerrufsbutton Schritt für Schritt ein

Die Schritte gelten unabhängig davon, welches Plugin Du nimmst.

A. Vorbereitung

1. Sicherung und Updates

Sichere Deinen Shop. Bring WordPress, WooCommerce und Dein Rechtstexte-Plugin auf den aktuellen Stand. Wenn Du eine Testumgebung hast, richte den Button zuerst dort ein.

2. Weg festlegen

Entscheide Dich für genau einen Weg aus Abschnitt III. Aktiviere die Widerrufsfunktion und lege die Seite mit dem Formular an.

B. Einbau

1. Button global platzieren

Das Gesetz verlangt, dass der Button ständig verfügbar, hervorgehoben platziert und leicht zugänglich ist. Am sichersten erfüllst Du das, wenn er auf jeder Seite erreichbar ist, nicht nur im Kundenkonto. Der übliche Ort ist der Footer, gut sichtbar und nicht zwischen zwanzig anderen Links versteckt.

Zusätzlich sinnvoll ist ein Hinweis im Kundenkonto bei der Bestellung und in der Bestellbestätigung. Diese Hinweise ersetzen den Footer-Button nicht, er bleibt die Grundlage.

2. Beschriftung prüfen

Lass die Beschriftung „Vertrag widerrufen“ stehen. Varianten wie „Retoure“, „Rücksendung“ oder „Hier klicken“ sind nicht eindeutig.

Muster: Button im Footer: „Vertrag widerrufen“. Button im Formular: „Widerruf bestätigen“.

3. Formular prüfen

  • Pflichtfelder: Name, Bestellnummer oder andere Vertragsangabe, E-Mail-Adresse.
  • Freiwillig: Widerrufsgrund und Bemerkung. Die Auswahl einzelner Artikel solltest Du anbieten, weil der Kunde auch nur einen Teil der Bestellung widerrufen darf.
  • Kein Login-Zwang: Gastkäufer haben kein Kundenkonto. Ein Formular, das nur nach dem Einloggen funktioniert, ist für sie gar nicht erreichbar. Auch bei Kunden mit Konto spricht viel dagegen, dass eine Login-Pflicht noch „leicht zugänglich“ ist.

C. Test und Ablauf

1. Test-Widerruf abschicken

Bestell selbst etwas als Gast und widerrufe über den Button. Prüfe die Eingangsbestätigung: Stehen Inhalt, Datum und Uhrzeit drin? Landet die Mail im Posteingang und nicht im Spam?

Wiederhole den Test mit einem Kundenkonto und auf dem Smartphone.

2. Internen Ablauf festlegen

Der Button ist nur der Anfang. Danach musst Du den Widerruf bearbeiten. Erhaltene Zahlungen, auch die Kosten der Standardlieferung, musst Du spätestens 14 Tage nach Eingang des Widerrufs zurückzahlen (§ 357 BGB). Bei Waren darfst Du damit warten, bis die Ware zurück ist oder der Kunde nachweist, dass er sie abgeschickt hat.

Konkret heißt das: Leg fest, wer eingehende Widerrufe prüft, wie Du Rücksendungen zuordnest und wer die Erstattung auslöst.

3. Rechtstexte nachziehen

Deine Widerrufsbelehrung muss seit dem 19. Juni 2026 auch darüber informieren, dass es den Widerrufsbutton gibt und wo er zu finden ist. Fehlt dieser Hinweis, beginnt die Widerrufsfrist nach dem Gesetzeswortlaut nicht zu laufen. Im ungünstigsten Fall können Kunden dann bis zu zwölf Monate und 14 Tage lang widerrufen (§ 356 BGB). Prüfe außerdem, ob Deine Datenschutzerklärung die Daten aus dem Formular abdeckt.

V. Welche typischen Fehler solltest Du in WooCommerce vermeiden?

  • Button nur im Kundenkonto: Gastkäufer finden ihn nicht.
  • Falsche Beschriftung: „Retoure anmelden“ statt „Vertrag widerrufen“.
  • Keine zweite Stufe: Der letzte Knopf im Formular heißt „Absenden“ statt „Widerruf bestätigen“.
  • Bestätigung ohne Uhrzeit: Die Mail sagt nur „Danke für Deine Nachricht“, ohne Datum und Uhrzeit.
  • Pflichtfeld Widerrufsgrund: Der Kunde muss keinen Grund nennen.
  • Doppelte Lösungen: Rechtstexte-Plugin und Zusatz-Plugin laufen parallel.
  • Theme-Update räumt auf: Der Footer-Button ist nach einem Theme-Update verschwunden, und niemand merkt es.

Merke: Einmal einrichten reicht nicht. Prüfe den Button nach jedem Theme- und Plugin-Update.

VI. Was passiert, wenn der Widerrufsbutton fehlt oder falsch ist?

Ein fehlender oder fehlerhafter Widerrufsbutton ist ein Verstoß gegen eine Verbraucherschutzvorschrift. Das Risiko ist vor allem eine Abmahnung durch Wettbewerber oder Verbände, verbunden mit der Forderung nach einer Unterlassungserklärung und oft mit Kosten. Fehlt in der Widerrufsbelehrung der Hinweis auf den Button, kann sich außerdem die Widerrufsfrist verlängern (siehe Abschnitt IV).

Abmahner haben es hier leicht, weil der Fehler von außen in wenigen Sekunden sichtbar ist. Jeder kann Deinen Footer anklicken.

Die saubere Lösung ist ein funktionierender Ablauf, den Du selbst getestet hast. Ein Restrisiko bleibt, solange es zu Einzelfragen wie der Platzierung noch keine gefestigte Rechtsprechung gibt. Wähle deshalb im Zweifel die sichtbarere Variante.

VII. Du verkaufst nicht (nur) über WooCommerce?

Viele Shops haben Nebenwege: ein Online-Kurs über eine externe Plattform, eine Buchung über ein Kalender-Tool, ein Zahlungslink von Stripe oder PayPal. Die WooCommerce-Plugins decken diese Verträge nicht ab, weil sie nur WooCommerce-Bestellungen kennen.

VIII. FAQ zum Widerrufsbutton in WooCommerce

A. Brauche ich den Widerrufsbutton auch als B2B-Shop?

Nein, wenn Du ausschließlich an Unternehmer verkaufst. Die Pflicht hängt am Widerrufsrecht von Verbrauchern. Stell dann aber sicher, dass wirklich nur Unternehmer bestellen können.

B. Reicht das kostenlose Germanized?

Die Widerrufsfunktion ist laut Plugin-Beschreibung bereits in der kostenlosen Version enthalten. Ob Dir Zusatzfunktionen der Pro-Version fehlen, hängt von Deinem Shop ab. Für die Pflicht selbst kommt es auf den funktionierenden Ablauf an.

C. Muss der Button auch nach Ablauf der Widerrufsfrist sichtbar sein?

Das Gesetz verlangt ihn während der Widerrufsfrist. Weil in einem Shop ständig neue Fristen laufen, bleibt der Button in der Praxis dauerhaft sichtbar.

D. Darf ich den Button in der Bestellbestätigung verlinken statt im Footer?

Als Ergänzung ja. Die Pflicht betrifft aber die Online-Benutzeroberfläche, also Deinen Shop. Der Footer-Button bleibt deshalb die Grundlage.

E. Was ist, wenn Kunden auch per E-Mail widerrufen?

Das dürfen sie weiterhin, wenn die Erklärung eindeutig ist. Der Button ist ein zusätzlicher Weg, kein exklusiver.

F. Gilt die Pflicht auch für digitale Produkte in WooCommerce?

Ja, soweit Kunden ein Widerrufsrecht haben. Bei digitalen Inhalten kann das Widerrufsrecht unter bestimmten Voraussetzungen vorzeitig erlöschen. Solange es besteht, braucht es den Button.

Merke: Der Button muss nicht schön sein. Er muss funktionieren, gefunden werden und bestätigen.

IX. Fazit

WooCommerce bringt keinen Widerrufsbutton mit, aber Germanized, German Market und eigenständige Plugins schließen die Lücke ohne Programmierung. Entscheidend ist nicht das Plugin, sondern der Ablauf: Button im Footer, zweistufiges Formular, Eingangsbestätigung mit Datum und Uhrzeit. So gehst Du vor: einen Weg wählen, einmal selbst testen und nach jedem Update erneut prüfen.

Ähnliche Beiträge

Alle Beiträge